Eine neue Geschichte entsteht - "Gestüt zur Linde" - hier ein erster kleiner Auszug daraus ....

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Maximilian Storch, der Stalljunge, bog um die Ecke der Scheune. Es war höchste Zeit, um seine Arbeit anzutreten. Zielstrebig steuerte auf die Pferdeboxen zu. Im dumpfen Lichtstrahl, der aus der Deckenlampe fiel, sah er Toni an der Box von Amigo.

„Guten Morgen, Toni. Schon so früh hier draußen?“

„Dir auch einen guten Morgen, Max. Du kennst mich ja. Mit dem Schlafen hab ich es nicht so. Kannst du mir bitte Amigo satteln? Wir beide benötigen dringend Auslauf, du verstehst, was ich meine“…

 

Die Sonne kroch langsam hinter der kleinen Anhöhe empor. Mit ihrer immensen Kraft färbte sie den Himmel in ein rot-violettes Meer. Noch lange war der Feuerball nicht vollständig zu sehen und doch warf er sein Licht bereits auf die Erde, verdrängte die Nacht. Der alte Morbach, Gutsherr seit vierzig Jahren, liebte diese frühe Morgenstunde. Die frische Luft sog er tief in seine Lungen. Sie befüllte seinen Körper mit Sauerstoff, belebte ihn. Die Müdigkeit machte neuem Tatendrang und kraftvoller Energie Platz. Arthur Morbach blickte stolz um sich. Er war auf dem Weg zu den Stallungen. Zu seiner Rechten lagen die riesigen Weideflächen, die Koppeln und die Turnierplätze. Hinter ihm, ragte das beeindruckende Herrenhaus aus dem achtzehnten Jahrhundert dominant in die Landschaft, das seit jeher im Besitz seiner Familie verweilte. Zur Linken erstreckten sich die Wirtschaftsgebäude mit den Boxen für die hundert Pferde, die sich zurzeit am Hof befanden. Inmitten eines riesigen Rondells ragte die uralte Linde als Wahrzeichen gen Himmel, die dem Hof den Namen verlieh – „Gestüt zur Linde“. Drumherum breitete sich eine gepflasterte Fläche aus, die das Herrenhaus und die Stallungen miteinander verband. Arthur Morbach atmete tief ein. Kurz schloss er die Augen. Stolz über sein geschaffenes Lebenswerk machte sich in ihm breit, bevor sich die Melancholie und Traurigkeit wieder Raum in ihm verschaffte. Die Entscheidung, die er vor einigen Tagen schweren Herzens getroffen hatte, als er das Telefonat führte, knabberte an seinem Gewissen. Allzu gerne hätte er das Gestüt weitergeführt, so wie bisher. Nur sein Alter lies das nicht mehr zu. Seine Knochen schmerzten, wenn er morgens aus den Federn kroch. Die roten Zahlen, die sein Unternehmen seit zwei Jahren schrieb, bereiteten ihm ebenso Sorgen, wie so vieles andere mehr. Er schnaufte. Den Kopf hängen lassen, war noch nie sein Ding gewesen. Er streckte sich durch und marschierte zu den Stallungen, wie er es vorgehabt hatte. „Guten Morgen Max“, rief er laut. Der Stallbursche arbeitete seit fünf Jahren für ihn. Insgesamt hatte er acht Personen, die für das Gut und die Tiere zuständig waren. Als dieser seinen Namen vernahm, streckte er den Kopf aus einer der Boxen. „Guten Morgen, Herr Morbach. Heute scheint’s, wird ein prächtiger Tag. Die Tiere sind auch gut gelaunt.“ Max schob seine Kappe zurück.

„Hast du Toni gesehen?“ Der barsche Ton, ohne auf das Geplauder von Max zu achten, ließ den Burschen zusammenzucken.

„Ist ausgeritten, als ich heute Morgen meinen Dienst angetreten habe, war mein erster Job, Amigo zu satteln. Die beiden waren guter Dinge. Amigo konnte es kaum erwarten, mit Toni davon zu galoppieren.“ Innerliche Genugtuung verschaffte sich Raum. Max hatte Mühe, sein hämisches Grinsen zu verbergen. Er wusste, dem alten Herrn missfiel es, wenn Toni alleine ausritt.

„Toni soll sofort zu mir kommen, es pressiert!“ Morbach wandte sich wenig begeistert ab und stapfte in den anderen Stall, in dem sich die Jungtiere befanden. Die Fohlen entstammten alle aus der eigenen Zucht, auf die seit Jahrzenten das Hauptaugenmerk des Gestütes lag. Es waren Prachttiere. Allesamt geeignet, um sie zu wertvollen Reit- und Sprungpferden, Dressurpferden für die hohen Künste oder aber auch zu Therapiepferden, auszubilden. Hier trafen reine englische Vollblüter, elegant und vornehm, auf Araber, ausdauernd und leistungsstark, Haflinger, clever und zuverlässig, und Warmblüter, kräftiger Körperbau, ausgeglichen, mit dem gewissen Temperament. Morbach legte hohen Wert darauf, bei der Zucht die Eigenschaften der unterschiedlichen Arten und Rassen zu vereinen, nach alter Überlieferung und strengem Zuchtbuch. Seine Zuchtergebnisse bei den Warmblütern, deren eleganter großer Körperbau als Reit- und Springpferde beliebt waren, konnten sich sehen lassen. Dafür hatte er einst einen mehrfach ausgezeichneten Trakehnerhengst teuer erstanden. Seine Nachfahren sorgen nun für den Fortbestand und viele Auszeichnungen. Die Tiere hatten allerdings ihren Preis. Aus seinem Gestüt sind viele medaillenträchtige Sportpferde erwachsen. Sein Name war in Zuchtkreisen wohlbekannt und gefragt. Andächtig streichelte er den Kopf des erst eine Woche alten fuchsfärbigen Fohlens, dessen runde dunkle Augen ihn neugierig bestaunten. Die Araber-Haflinger-Kreuzung wurde gezüchtet, weil sie sich besonders für Therapiezwecke und Freizeitpferde, oder als Schulpferde eigneten. So wurden auf seinem Gestüt seit den letzten vier Jahren Reitkurse für Kinder angeboten. In den Sommerferien boten Camps den Kleinen für zwei bis drei Wochen, je nach Wunsch, Erholung, Entspannung und Abenteuer auf dem Rücken der zutraulichen, intelligenten Tiere. Dafür wurde allerdings Personal benötigt, viel Personal und ausgebildete Reitlehrer. Seine Schwiegertochter hatte diesen Zweig des Unternehmens groß aufziehen wollen. Den Anfang hatte sie gewinnbringend gestartet und gemanagt. Durch den tragischen Unfall vor zwei Jahren wurden sie und sein Sohn leider allzu früh aus dem Leben gerissen. Und seitdem geht es mit dem Unternehmen stetig bergab. Seine Hand verweilte am weichen Kopf des Fohlens. Dieses unschuldige Wesen wusste das alles nicht. „Glückliches Tier“, flüsterte er. Er machte sich auf den Weg zurück ins Haus. Es war Zeit fürs Frühstück. Als er ins Freie trat, eilte sein Gutsverwalter auf ihn zu.

„Einen prachtvollen guten Morgen, Herr Morbach. Schon wieder so früh auf den Beinen? Ist alles in Ordnung?“

„Guten Morgen Sepp, na ja, alles beim Alten. Wo kommst du her?“

„Von der oberen Weide. Da ist ein Loch im Zaun, das muss heute noch repariert werden, bevor wir die Muttertiere mit den Fohlen hinauftreiben. Ach ja, und die Futterbestellung liegt auf Ihrem Schreibtisch zur Unterschrift. Das muss heute noch gefaxt werden. Bitte unbedingt dran denken.“

Arthur Morbach bestätigte dies mit einem Nicken und machte sich auf den Weg ins Haus.

„Was wollte der Alte schon so früh hier draußen?“, wandte sich Sepp an Max, der soeben um die Ecke bog, eine Karre voll Gerste vor sich herschiebend.

„Hat nach Toni gefragt, danach war er nebenan bei den Fohlen. Da liegt was im Busch, sag ich dir. Wenn das stimmt, was mir Marie erzählt hat … - ui ui, da sieht es schlecht mit dem Gestüt und uns aus.“

„Ach was du und Marie euch wieder zusammenreimt … „

„Nein, ehrlich, sie hat doch vor drei Tagen zufällig das Telefonat gehört, das er mit irgendjemanden geführt hat und da war eindeutig die Rede davon, dass er vorhat, zu verkaufen.“

„Wer weiß, was er verkaufen will“, winkte Sepp genervt ab.

„Das Gestüt will er verkaufen! Himmel, das Gestüt“, polterte Max. „Sie hat es doch selbst gehört und ist dann gleich zu mir gelaufen. Wenn dieses Unglück vor zwei Jahren nicht passiert wäre … „

„Wäre Marie nicht hier und du tät`st noch immer ohne Freundin herumlungern“, machte sich Sepp lustig, schüttelte den Kopf und lies Max stehen.

„Ja, ja, lach nur, wirst auch noch merken, dass ich recht habe“, polterte dieser hinterher. Er hob die Karre hoch und verschwand mit ihr in der Box von Amigo, um alles für ihn vorzubereiten, wenn er vom Ausflug wieder zurückkam. Der zehnjährige Trakehnerhengst war für sein stürmisches Temperament, aber auch für seine Zuverlässigkeit und Intelligenz bekannt. Max liebte dieses eigenwillige Wesen. Er fühlte sich zu ihm hingezogen, hatte er ihn doch schon als Fohlen gekannt und heranwachsen sehen, obwohl er damals noch gar nicht auf dem Hof gearbeitet hatte. Reiten durfte ihn nur Toni. Das war schon von Anfang an so. Die Bereiter hatten ihre liebe Not mit dem Tier gehabt, außer Toni …

 

 

Blog - Neues - Buchvorstellungen

Aus meinem Roman Mein Herz für deine Liebe entstand nun die Neuausgabe: Sports & Love - Eine verrückte Vereinbarung, mit neuem Cover - Diese Geschichte liegt mir sehr am Herzen. Schwere Schicksale prägen uns Menschen auf unterschiedliche Art und Weise. Der eine verarbeitet sie, macht Therapien, versucht sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Andere wiederum verkriechen sich vielleicht, meinen, sich vor weiteren Schicksalsschlägen verstecken zu können, verdrängen die Vergangenheit und verhalten sich im Leben irrational - immer in Bedacht darauf irgendwie Oberwasser zu gewinnen. 

Auch die Hauptdarstellerin in diesem Roman, Marika Schröder, hat Schlimmes erfahren. Seither vermeidet sie Beziehungen, sie hängt an der Familie ihrer besten Freundin Anne, weil sie der Meinung ist, selbst nie so viel Glück zu verdienen, selbst eine Familie gründen zu können...

Our Story

Gibt es das Schicksal? Kann man vor ihm davonlaufen oder sich davor verstecken? Marika Schröder versucht es seit vielen Jahren, hat sie doch vor zehn Jahren einen schlimmen Verlust hinnehmen müssen. Seither existiert sie mehr, als sie lebt. Sogar ihrer besten Freundin Anne Lenders gelingt es nicht, zu ihr durchzudringen. Timothy Smith, ein erfolgreicher Footballspieler, versucht ebenfalls, Marika näher zu kommen. Schafft er es mit seiner Hartnäckigkeit und Liebe, die Brücken aus Verzweiflung und Ängsten zu überwinden und zu Marikas Herz durchzudringen?
Lesen Sie im Folgeroman von „Ein verrückter Antrag“ die Geschichte von Marika Schröder, der besten Freundin von Anne Lenders. Sie erfahren, wie es mit Familie Lenders weitergeht. Die einzelnen Teile können unabhängig voneinander gelesen werden.


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