Märchen

 

Elfe Mariza sucht die Liebe

Das Märchen von der Elfe Mariza wurde für eine Anthologie geschrieben und wird demnächst veröffentlicht

 

Leseprobe:

 

In einem fernen, noch naturbelassenen Wald, auf dessen Boden noch kein Mensch den Fuß gesetzt hat, lebt die kleine Waldelfe Mariza Cerei. Der Name Cerei ist ein Andenken an die große Vorfahrin und Druidin der Waldelfen, die im vierten

Jahrhundert lebte und wirkte. Der Name bedeutet Kraft oder Heilung und sein Element ist die Erde. Mariza Cerei ist ein sehr

junges Elfchen. Sie hat noch keine Aufgabe von ihren Familienmitgliedern übertragen bekommen und faulenzt den lieben langen

Tag auf der bunten Elfenblume, die ihre absolute Lieblingsblume ist.

Diese Bodendecker-Pflanze fasziniert mit filigranen Blüten und grünen bis rötlichen Blättern. Mariza Cerei liebt aber auch die Tiere des Waldes. Verletzte Tiere kommen zu ihr, damit Mariza sie heilt. Diese Heilkräfte besitzt die Elfe seit ihrer Geburt, sowie alle Stammesangehörigen. Sollte Gefahr oder ein Unwetter drohen, bieten die Blätter der Elfenblume Mariza Cerei Schutz. Es ist ein sehr schöner Flecken Erde zum Wohlfühlen, den Mariza sich da ausgesucht hat. Zwischen den hohen Laubbäumen, die teilweise viele hunderte Jahre alt sind, fallen vereinzelt die Sonnenstrahlen bis auf den Waldboden. Mariza Cerei ist ein fröhliches Elfchen. Sie hat eine glockenhelle Stimme. Ihre Lieder erklingen tief in den Wald hinein. Mariza Cerei hat soeben ein Lied anklingen lassen, als der alte Fuchs Henrik an gehumpelt kommt und sich erschöpft vor ihr ins weiche Moos fallen lässt.

„Lieber Henrik, sei gegrüßt. Was ist mit dir passiert? Schmerzt wieder die alte Verwundung am Hinterbein?“ Mariza Cerei schwingt vom Elfenblatt und fliegt zum alten Fuchs. Vor ihm lässt sie sich nieder. Sie berührt sanft sein struppiges Fell. Aus müden Augen blickt er sie an.

„Ach ja. Das Alter macht mir zu schaffen. Ich wollte ein saftiges Rebhuhn jagen. Dabei bin ich mit dem Hinterlauf hängen geblieben und hab mir die alte Wunde aufgerissen. Sieh her“, jammert er und hält ihr das hintere Bein unters Gesicht. „Als ich noch jung war, bin ich leichtfüßig über solche Stauden gesprungen. Das dumme Rebhuhn hat einen Satz gemacht und sich in die Lüfte erhoben.“ Wie zum Beweis knurrt sein Magen laut vor Hunger.

„Zzzz“, macht Mariza Cerei, „ich weiß ja, dass Rebhühner zu deinen Lieblingsgerichten gehören, aber könntest du dich vielleicht beim Fressen umstellen und dir eine andere Kost suchen?“
Erspar mir deine Vorschläge“, knurrt der Fuchs.

Mariza Cerei lacht auf und schüttelt den Kopf. Sie schnipst mit den Fingerkuppen von Daumen und Mittelfinger. Sofort kommt aus dem Nichts ein Stück Fleisch einer Ente geflogen. „Hier, friss das. Ente Trudi hat das Zeitliche gesegnet.“ Mariza hält dem Fuchs das Fleisch vors Maul. Dann versorgt sie seine Wunde am Bein. Sie legt ihre zarten Hände darauf. Nur ein paar Augenblicke und die Wunde zieht sich zusammen, das Blut versiegt, neue Haare wachsen. Nicht einmal eine Narbe ist zu sehen. Der Fuchs bedankt sich und verzieht sich mit dem Fleisch im Maul. Müde von der Anstrengung des Heilungsprozesses, legt sich Mariza im Schatten zwischen zwei Elfenblätter zum Schlafen. Es beginnt bereits dämmrig zu werden, als sie von lauten, aufgeregten Stimmen aus dem Schlaf gerissen wird. Ihr Spürsinn gebietet ihr zur Vorsicht, weshalb sie unter den Blättern ganz ruhig verweilt. Sie wagt kaum zu atmen.  ...